Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774-1860), zunächst Generalvikar, dann Verweser des Bistums Konstanz, war nicht nur ein reformerisch eingestellter Kirchenmann, sondern auch ein großer Freund und Förderer der Kunst. Neben seiner Gemäldesammlung besaß Wessenberg eine umfangreiche Kollektion reproduktionsgraphischer Werke aus fünf Jahrhunderten, das heißt Stiche, die bekannte Werke der Bildenden Kunst in Schwarzweiß-Abbildungen wiedergeben. Als Kirchenmann interessierte sich Wessenberg primär für religiöse Themen. Er sammelte aber auch Graphiken mit Motiven aus der antiken Mythologie, sowie Darstellungen historischer Ereignisse. Niederländische, deutsche und italienische Genre- und Landschaftsdarstellungen, Architekturen und Portraitstiche von mit Wessenberg bekannten und befreundeten Personen ergänzen die Kollektion. Wessenbergs druckgraphische Sammlung besticht aber nicht nur durch die Fülle der Themen und Motive, sondern belegt auch die ungeheure Kunstfertigkeit der Stecher, die im wahrsten Sinne des Wortes „gestochen scharf“ arbeiteten und oftmals Jahre für die Herstellung einer Druckplatte aufwendeten. Wessenbergs sogenannte Kupferstichsammlung ist nahezu vollständig erhalten. Sie stellt in dieser Ganzheit ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument dar, das Einblick gewährt in die Sammlungsstrategien und die Kunstrezeption des frühen 19. Jahrhunderts. In den vergangenen Jahren wurde Wessenbergs Kupferstichsammlung erfasst und wissenschaftlich bearbeitet. Die Ausstellung versammelt rund 80 der schönsten und interessantesten Blätter. Es erscheint ein von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderter Bestandskatalog.