Archiv


2025 >

Im Fremden zu Hause

Peter & Anna Diederichs

05. Juli 2025 - 05. Oktober 2025

Peter Diederichs (1923–1982) zählt zweifelsfrei zu den eigenwilligsten künstlerischen Stimmen der Bodenseeregion. Sein Werk – von expressiver Malerei über großformatige Mosaike bis hin zu mythologisch aufgeladenen Skulpturen – ist kraftvoll, vielschichtig und bis heute überraschend aktuell. Dennoch geriet es mit der Zeit in Vergessenheit. Unsere Sommerausstellung bringt sein Schaffen, zusammen mit den nicht weniger vielseitigen Arbeiten seiner Frau Anna Diederichs, wieder ins Licht der Öffentlichkeit.

Die Städtische Wessenberg-Galerie widmet dem Künstlerpaar mit „Im Fremden zu Hause“ eine facettenreiche Ausstellung im Spannungsfeld zwischen Fremdheit und Vertrautheit. Rund 80 Werke, viele davon erstmals öffentlich gezeigt, beleuchten die Lebenswege und -werke von Peter und Anna Diederichs und zeigen, wie beide unverkennbare künstlerische Positionen entwickelten.

BLAU

Faszination einer Farbe Mit Werken aus der Sammlung

25. Januar 2025 - 15. Juni 2025

Blau ist für viele die schönste aller Farben, eine Lieblingsfarbe, die auch in der bildenden Kunst einen besonderen Platz einnimmt und als bedeutungsreiches Faszinosum inspiriert. Nun widmet ihr die Städtische Wessenberg-Galerie eine exklusive Ausstellung. Die Schau vereint die eindrucksvollsten blauen Kunstwerke der Sammlung und entführt die Besucher mit rund 80 Werken aus dem 19. Jahrhundert, der Romantik und des Biedermeiers sowie Schätzen des Expressionismus, der Abstrakten Malerei und der zeitgenössischen Kunst in die reiche Kunst- und Kulturgeschichte dieser Farbe.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem „Museum für die Farbe Blau“ in Schwetzingen.


2024 >

Hans Thoma

Beseelte Natur

14. September 2024 - 12. Januar 2025

Vom verkannten Heimatkünstler zum national gefeierten Malerstar: So lässt sich die Karriere des 1839 im Schwarzwald geborenen Hans Thoma umreißen, die ihn nach zähen Anfangsjahren schließlich an die Spitze der Karlsruher Kunsthalle führte. 100 Jahre nach seinem Tod 1924 in Karlsruhe erinnert die Städtische Wessenberg-Galerie an den bedeutenden Künstler.

Die Ausstellung beleuchtet mit rund 80 Druckgrafiken, ausgewählten Gemälden und Arbeiten seiner Schüler wie Karl Hofer, Otto Marquard und Emil Rudolf Weiss Leben und Werk Hans Thomas. Den Grundstock der Präsentation bilden Grafiken, die durch eine umfangreiche Schenkung 2020 in die städtische Sammlung gelangten. Sie waren teils schon 1939 im Zuge deutschlandweiter Jubiläumsfeierlichkeiten in den Konstanzer Räumen zu sehen und kehren nach 85 Jahren erstmals dahin zurück.

Ignaz Heinrich von Wessenberg

Kirchenfürst • Politiker • Sammler • Dichter

04. Mai 2024 - 01. September 2024

Am 4. November 2024 jährt sich der Geburtstag des christlichen Spätaufklärers Ignaz Heinrich von Wessenberg zum 250. Mal. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz erinnert in ihrer Sommerausstellung an den Mann, dessen nachgelassener Kunstsammlung – rund 100 Gemälde und Zeichnungen sowie mehr als 600 Kupferstiche und Lithografien – sie ihre Existenz verdankt.

Unsere Ausstellung widmet sich verschiedenen Aspekten von Wessenbergs Leben und Werk. Die Neuerungen, die er im damals größten deutschsprachigen Bistum anstieß, werden ebenso thematisiert wie der kuriale Widerstand, den er dadurch heraufbeschwor, was letztlich zur Zerschlagung des Bistums Konstanz und zu Wessenbergs „Abdankung“ führte. Daneben kommen seine vielfältigen Freundschaften zur Sprache, darunter Kontakte zu Künstlern und Schriftstellern. Aber auch seine zahlreichen Reisen und sein literarisches Schaffen sind Thema. Kommen Sie mit auf diese Zeitreise und lernen Sie einen Mann kennen, für den nach eigener Aussage „weltlicher Glanz nie einen Reiz hatte“. Wessenbergs Wunsch war es, „etwas Rein-Gutes zu wirken“ – diesem Leitstern ist er unbeirrt gefolgt.

Konrad Ferdinand Edmund von Freyhold

Aufbruch und Anpassung

27. Januar 2024 - 14. April 2024

Konrad Ferdinand Edmund von Freyhold: Wer sich für die Kunst der Bilderbuchillustration interessiert, kommt an diesem Namen nicht vorbei: Die stilistische Neuartigkeit und der kindgerechte Ansatz seiner zwischen 1905 und 1908 entstandenen Bilderbücher – Tiere, Sport und Spiel, Das Hasenbuch – war revolutionär. Als Maler ist Freyhold, der 1878 in Freiburg geboren wurde und dort 1944 starb, heute dagegen weitgehend vergessen.

Unsere Ausstellung widmet sich einem Maler und Menschen von ambivalentem Charakter. Eine Künstlerlaufbahn geprägt von starken Anfängen, einer später durchaus selbstverschuldeten Erfolglosigkeit und von zuletzt verhängnisvollem politischem Mitläufertum.


2023 >

My Ullmann

Bilder, Bühne, Kunst am Bau

16. September 2023 - 07. Januar 2024

Maria Ullmann, die 1905 in Wien geboren wurde und 1995 in Konstanz starb, zählt zu den Begründer*innen des Kinetismus (griechisch kinesis = Bewegung), einer avantgardistischen Kunstrichtung, die sich um 1920 im Umfeld der Wiener Kunstgewerbeschule entwickelte und als eine zwischen Kubismus und Futurismus angesiedelte Sonderform des Konstruktivismus bezeichnet werden kann. Rhythmische Komposition und die Darstellung simultan ablaufender Bewegungsprozesse wurden in einer Komposition vereinigt. Ullmann, die seit 1921 an der Wiener Kunstgewerbeschule studierte und ebenso Aufsehen erregende wie wegweisende Werke des Kinetismus schuf, signierte ihre Arbeiten seit dieser Zeit mit My, der lateinischen Transkription des griechischen Buchstabens M, der für ihren Vornamen Maria steht. Zeitlebens sollten Rhythmus, Bewegung und Licht Ullmanns Schaffen grundlegend beeinflussen. Jetzt wird das Œuvre dieser vielseitig tätigen Künstlerin wiederentdeckt, die zeitlebens durch selbstbewusste Eigenwilligkeit und einen unkonventionellen Lebensstil auffiel.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien.

Wandel & Krise

Kunst in Konstanz 1965 – 1985

06. Mai 2023 - 03. September 2023

Flower Power, 68-Revolte, Frauen- und Anti-Atomkraft-Bewegung: Die Jahre zwischen 1965 und 1985 waren eine Zeit bedeutsamer gesellschaftlicher Umbrüche und Veränderungen, die bis heute nachwirken. Auch in der Kunst brach in den 60er-Jahren eine neue Ära an. Künstler*innen lösten sich vom traditionellen Kunstverständnis und suchten neue, unkonventionelle Wege: zahlreiche Kunstrichtungen – Pop, Op, Minimal, Arte Povera, Land Art, Fluxus, Happenings und Konzeptkunst – entstanden, die auch in den öffentlichen Raum hineinwirkten. Kunst sollte für alle zugänglich und erschwinglich sein. Unsere Sommerausstellung beleuchtet die spannenden Aspekte und Strömungen der Kunst in Konstanz zwischen 1965 und 1985. Sie lenkt den Blick auf die eigene Sammlung und wird von wenigen privaten Leihgaben ergänzt. Werke bekannter KünstlerInnen wie Burkhart Beyerle, Tabea Blumenschein, Johannes Dörflinger, Wolfgang Glöckler, Erich Keller, Ulrike Ottinger und Otto Piene werden ebenso präsentiert wie Positionen weniger bekannter KünstlerInnen wie Anna Diederichs, Elisabeth Honold, Peter und Ille Wieczorek(-Bartelt) sowie Werke der für die Kunst-am-Bau der neuen Universität Konstanz tätigen deutschen KünstlerInnen, die es zu entdecken lohnt. Eine Zeitung zum Mitnehmen führt gedanklich zurück in diese zerrissene, stürmische und außergewöhnliche Zeit.

Franz Lenk

1898 – 1969 Der entwirklichte Blick

29. Januar 2023 - 16. April 2023

Franz Lenk, der 1898 in Langenbernsdorf in Sachsen geboren wurde und 1968 in Schwäbisch Hall starb, zählt zu den herausragenden Vertretern neusachlicher Malerei und einer neuen Romantik, die Ende der 1920er-Jahre einsetzte. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise trafen Lenks in altmeisterlicher Technik gemalten, stillen und naturverbundenen Bilder den Nerv der Zeit. Vor allem seine Landschaften – darunter zahlreiche Darstellungen der von ihm geliebten Bodenseegegend – beziehen sich auf künstlerische Vorbilder vergangener Epochen und öffnen sich zugleich weiterreichenden Deutungsspielräumen. Die Ausstellung, die Bilder aus 18 öffentlichen und privaten Kollektionen versammelt, präsentiert Lenks Werk im Überblick und zeigt Portraits, Stillleben und Landschaften. Werke seiner Künstlerkollegen aus der Gruppe „Die Sieben“ ergänzen die Darstellung. Biographische und kunsthistorische Erkenntnisse, unter anderem zu Lenks Weltsicht und deren Manifestation in seiner Malerei sowie zur ambivalenten Haltung des Künstlers in den Jahren 1933 bis 1945, komplettieren das Bild eines bislang weitgehend unterschätzten Künstlers des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Dresden.


2022 >

Cornelia Simon-Bach

In den Träumen wohnen

17. September 2022 - 08. Januar 2023

Cornelia Simon-Bach war eine hochgradig phantasiebegabte Malerin, deren erzählerischen Bilder verblüffen und auf hinreißende Art rätselhaft bleiben. Ihre Kunst entzieht sich einer festen Einordnung, sie enthält naive wie surreale Elemente, ist ebenso originell wie poetisch, bisweilen auch von düsterer Abgründigkeit. Religiöse und mythische Elemente spielen hinein wie persönlich Erlebtes und Erlittenes und neben diesen inhaltlichen Aspekten ist es die Perfektion des Malvortrags, der den Betrachter in diese facetteneichen Bildwelten hineinzieht. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz stellt das faszinierende Werk dieser unterschätzten Künstlerin erstmals umfassend vor: eine Entdeckung!

Zeit-Bilder

Kunst in Konstanz 1945 - 1965

14. Mai 2022 - 04. September 2022

Die beiden ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Deutschland von vielfältigen Um- und Aufbrüchen geprägt. Im Mai 1945 hatte das nationalsozialistische Regime kapitulieren müssen, weite Teile des Landes waren verwüstet, die Infrastruktur zerstört, und die alliierten Besatzungsmächte hatten die Kontrolle übernommen. Die Menschen ersehnten die Rückkehr zur Normalität, doch die vielbeschworene „Stunde Null“ ist ein Mythos, denn das fatale Erbe des Faschismus sollte – nicht nur unterschwellig – weiterwirken. Die Ausstellung beleuchtet das Kunstschaffen in Konstanz in den Jahren 1945 bis 1965 und ordnet es vor dem historischen Hintergrund ein.

Wachsen – Blühen – Welken

Ernst Kreidolf und die Pflanzen

29. Januar 2022 - 17. April 2022

Ernst Kreidolf (1863-1956) ist in der Schweiz, aber auch in Deutschland, wo er mehr als dreißig Jahre lebte und arbeitete, als Maler und vor allem als Bilderbuchkünstler bis heute unvergessen. Mit seinen an der Wende zum 20. Jahrhundert erschienenen Büchern Blumen-Märchen (1898), Die schlafenden Bäume (1901) und Gartentraum (1911) setzte er neue Maßstäbe in der Bilderbuchgestaltung. Aber auch später entstandene Werke zählen zu den unvergessenen Bilderbuchklassikern. Die Gedichte und Geschichten für seine Bücher verfasste Kreidolf selbst, er war jedoch auch als einfühlsamer Illustrator tätig. Die Ausstellung Wachsen – Blühen – Welken bietet einen Einblick
in die facettenreiche Pflanzenwelt von Ernst Kreidolf. Sie zeigt von wissenschaftlicher Neugier geprägte Studien, Blumendarstellungen, die das Wesen der Pflanze erfassen, und Originalillustrationen zu seinen Büchern, in denen die Verschmelzung von Naturbeobachtung und Phantasie gelingt.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein und der Stiftung Ernst Kreidolf sowie dem Kunstmuseum Bern.


2021 >

Robert Weise. 1870-1923

Natur und Salon

18. September 2021 - 09. Januar 2022

Der Maler Robert Weise, der von 1901 bis 1906 in Gottlieben am Schweizer Ufer des Untersees lebte, ist heute wenig bekannt – vor etwas mehr als hundert Jahren war das anders: Weise zählte damals zu den Mitgliedern der vielbeachteten Münchner Künstlergruppe Scholle. Seine deutschlandweiten Erfolge – die Museen in Berlin, Konstanz, München, Münster und Stuttgart erwarben seine Werke – trugen dazu bei, dass das idyllisch gelegene Fischerdorf Kunstliebhabern zum Begriff wurde. Die Darstellung von Natur und Landschaft beschäftigte Weise zeitlebens; daneben war er als Salonmaler gefragt und schuf repräsentative Portraits von Adel und hochstehen dem Bürgertum. Die Wessenberg-Galerie Konstanz hat sich auf Spurensuche begeben und erinnert an den vielseitigen Maler.

Form und Freiheit

Von der Figur zur Abstraktion

17. April 2021 - 05. September 2021

Die ungegenständliche bzw. abstrakte Kunst entwickelte sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Schrittweise verabschiedeten sich die Künstler von der rein abbildenden Funktion in Malerei und Plastik zugunsten einer freieren Formensprache und Bildkomposition. Paul Klees Ausspruch „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ brachte es auf den Punkt: Die Kunst emanzipierte sich von der Aufgabe der Naturnachahmung – die malerischen Mittel Form, Farbe und Malgestus wurden jetzt zum Bildthema. Die Sommerausstellung, die bis auf wenige Ausnahmen Werke aus der Sammlung der Städtischen Wessenberg-Galerie versammelt, verfolgt über den Zeitraum von mehr als hundert Jahren in spannungsvollen Gegenüberstellungen den Weg von der abbildenden Kunst über die figurative Abstraktion hin zum ungegenständlichen Schaffen.


2020 >

Licht, Luft und Farbe

Malerei süddeutscher Impressionisten

12. September 2020 - 21. März 2021

Zwei Jahrzehnte nach dem Aufkommen des impressionistischen Stils in Frankreich begannen sich auch deutsche Künstler mit dieser das Atmosphärische in den Mittelpunkt stellenden Malerei auseinander zu setzen. Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und ihre Mitstreiter in der 1898 gegründeten Berliner Secession traten mit ihren Werken gegen den etablierten und von Kaiser Wilhelm II. geschätzten Akademismus an und zählen heute zu den Hauptvertretern des deutschen Impressionismus. Doch auch in anderen Regionen des Landes etablierte sich die neue Kunstrichtung. Die Konstanzer Ausstellung rückt erstmals explizit impressionistische Künstler aus dem süddeutschen Raum in den Fokus. Für sie standen vor allem Landschaft, Tier und Mensch im Zentrum der Auseinandersetzung. Ausgehend von den in dieser Region dominanten Kunst- und Akademiestädten München, Karlsruhe und Stuttgart versammelt die Schau rund 80 Gemälde und zeigt Werke von 33 bekannten, aber auch zu Unrecht weniger geläufigen Künstlern.

Christian Landenberger; Segelboote auf dem Ammersee; 1921 Öl auf Leinwand; Privatbesitz

Beruf: Künstlerin!

Zehn deutsche Malerinnen am Bodensee

09. Mai 2020 - 30. August 2020

Agnes Susanne Scheurmann, Junker Heuschreck und Jungfer Libelle fahren zum Maientanz; ohne Jahr, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Mit der Gründung der Weimarer Republik wurde in Deutschland die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen festgeschrieben. Von nun an mussten Kunsthochschulen Frauen zum Studium zulassen. Seit dem 19. Jahrhundert war die Zahl professionell arbeitender Künstlerinnen stetig gestiegen, doch sie hatten mit vielfältigen gesellschaftlichen und privaten Widerständen zu kämpfen. Auch an den deutschen Ufern des damals noch weitgehend ländlichen Bodensees waren zahlreiche talentierte Künstlerinnen tätig. Unsere Sommerausstellung rückt zehn von ihnen in den Fokus – sie alle folgten entschlossen ihrer Berufung und machten die Kunst zu ihrem Beruf. Mit Werken von Marie Ellenrieder, Elise Brunner, Berta Dietsche , Amalie Vanotti, Agnes Susanne Scheuermann, Ilna Ewers-Wunderwald, Gertraud Herzger von Harlessem, Katahrina Weißenborn, Elisabeth Mühlenweg und Nelly Dix.


2019 >

August Deusser. 1870 – 1942

Kunst für immer - und immer nur Kunst!

30. November 2019 - 19. April 2020

Der Maler August Deusser, 1870 in Köln geboren und 1942 in Konstanz am Bodensee gestorben, zählte in den künstlerisch bewegten Jahren zwischen der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und dem Ersten Weltkrieg zu den herausragenden Vorkämpfern für die Durchsetzung der Moderne im Rheinland. Erste Erfolge feierte Deusser ab 1897 mit seinen Historien und Militärgemälden. Vor allem die Darstellung von Kavallerie-Soldaten bei ihren militärischen Übungen faszinierte ihn, das Thema Pferd und Reiter sollte ihn lebenslang beschäftigen. 1902 heiratete er die vermögende Malerin Elisabeth Eugenie Albert. Von nun an war er finanziell unabhängig und wandte sich einer impressionistisch beeinflussten Freilichtmalerei zu. Aus dieser Umorientierung erwuchs zugleich sein entschiedenes kulturpolitisches Engagement. Von zentraler Bedeutung wurde 1908 der Sonderbund, eine Ausstellungsinitiative, die er zusammen mit Julius Bretz, Max Clarenbach, Walter Ophey, Wilhelm Schmurr und anderen ins Leben rief. In die Sonderbund-Jahre fällt auch die bedeutendste Schaffensphase von August Deusser. Ohne sich vom Gegenstand zu lösen, entwickelte er in Anlehnung an die Kunst des Neoimpressionismus, der Fauves und Cézannes eine eigenständige künstlerische Handschrift.

August Deusser (1870 Köln - 1942 Konstanz); Reiterpaar (Kürassieroffizier mit Dame zu Pferde), 1910-1911; Deusser-Stiftung, Schweiz

Spiegel der Malerei

Die druckgrafische Sammlung des Freiherrn von Wessenberg

14. September 2019 - 17. November 2019

Angelo Campanella nach Bernardino Luini - früher Leonardo da Vinci zugeschrieben; Ohne Titel (Bescheidenheit und Eitelkeit); Kupferstich; ohne Jahr (1760-1811); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung

Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774-1860), zunächst Generalvikar, dann Verweser des Bistums Konstanz, war nicht nur ein reformerisch eingestellter Kirchenmann, sondern auch ein großer Freund und Förderer der Kunst. Neben seiner Gemäldesammlung besaß Wessenberg eine umfangreiche Kollektion reproduktionsgraphischer Werke aus fünf Jahrhunderten, das heißt Stiche, die bekannte Werke der Bildenden Kunst in Schwarzweiß-Abbildungen wiedergeben. Als Kirchenmann interessierte sich Wessenberg primär für religiöse Themen. Er sammelte aber auch Graphiken mit Motiven aus der antiken Mythologie, sowie Darstellungen historischer Ereignisse. Niederländische, deutsche und italienische Genre- und Landschaftsdarstellungen, Architekturen und Portraitstiche von mit Wessenberg bekannten und befreundeten Personen ergänzen die Kollektion. Wessenbergs druckgraphische Sammlung besticht aber nicht nur durch die Fülle der Themen und Motive, sondern belegt auch die ungeheure Kunstfertigkeit der Stecher, die im wahrsten Sinne des Wortes „gestochen scharf“ arbeiteten und oftmals Jahre für die Herstellung einer Druckplatte aufwendeten. Wessenbergs sogenannte Kupferstichsammlung ist nahezu vollständig erhalten. Sie stellt in dieser Ganzheit ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument dar, das Einblick gewährt in die Sammlungsstrategien und die Kunstrezeption des frühen 19. Jahrhunderts. In den vergangenen Jahren wurde Wessenbergs Kupferstichsammlung erfasst und wissenschaftlich bearbeitet. Die Ausstellung versammelt rund 80 der schönsten und interessantesten Blätter. Es erscheint ein von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderter Bestandskatalog.

On the Road

Künstler auf Entdeckungstour

11. Mai 2019 - 01. September 2019

Reisen – schon immer waren Menschen unterwegs, um fremde Länder und unbekannte Orte zu erkunden. Vor allem Künstler begaben und begeben sich gern auf Entdeckungstour und ihre Motivation zum Aufbruch war und ist so vielfältig wie die Kunst selbst. Den einen treibt die Sehnsucht nach einer besseren Welt, den anderen der Wunsch, den idealen Ort für das perfekte Bild zu finden. Neugier und Hunger nach Inspiration verführen zum Aufbruch ins Unbekannte, aber auch die Suche nach dem eigenen Ich, dem dagegen mancher nur allzu gern entfliehen möchte. Unsere Ausstellung beginnt im 16. Jahrhundert mit Romansichten von Giovanni Battista Piranesi. Die Popularisierung von Reisezielen durch literarische Schilderungen weckte seit dem 18. Jahrhundert das Bedürfnis, diese fremden Orte selbst zu erkunden. Italien zum Beispiel war für seine Kunstschätze bekannt; für einen Künstler war eine Studienreise in „das Land, wo die Zitronen blühen“ lange Zeit ein Muss. Dank zunehmender Technisierung ließen sich entfernte Ziele bald leichter und schneller erreichen, eine Entwicklung, die bis heute anhält. Doch nicht immer muss man in die Ferne ziehen, um Neues zu entdecken: Auch im Kopf lassen sich wunderbare Streifzüge unternehmen, denn der Phantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Und ist nicht das Leben selbst ein fortwährendes Aufbrechen zu neuen Ufern mit unbekanntem Ziel?

Agnes Susanne Scheuermann, ohne Titel, 1906, Mischetchnik, © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Heinrich Schmidt-Pecht. 1854-1945

Kunst, Keramik und Konflikte

19. Januar 2019 - 28. April 2019

Carl von Häberlin: Heinrich und Elisabeth Schmidt-Pecht; ohne Jahr; Öl auf Papier; 35 x 20 cm; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Heinrich Schmidt-Pecht, 1854 in Konstanz geboren und dort 1945 gestorben, stellte sein Leben ganz in den Dienst der Kunst. Über ein halbes Jahrhundert zählte er zu jenen Persönlichkeiten, die das kulturelle Geschehen in der Bodenseestadt dominierten. Unter dem Titel „Kunst, Keramik und Konflikte“ stellt die Ausstellung nicht nur Heinrich Schmidt-Pechts eigenes künstlerisches Schaffen vor, sondern zeigt auch auf, wie sich die Sammlung der Galerie unter seiner Leitung entwickelte. Heinrich Schmidt-Pecht war ein streitbarer Geist, der seine Überzeugungen nachdrücklich vertrat. Seine 1939 in wenigen Exemplaren erschienenen „Erinnerungen aus einem langen Leben in der Heimatstadt Konstanz“, die anlässlich der Ausstellung erstmals in Auszügen kommentiert und reich bebildert aufgelegt werden, zeichnen das facettenreiche Bild eines kunstbegeisterten und engagierten, aber keineswegs unumstrittenen Mannes. Damit beleuchten Katalog und Ausstellung ein bisher wenig beachtetes Kapitel Konstanzer Kunstgeschichte, das in seiner Bedeutung jedoch weit über den Bodenseeraum hinausweist.

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